lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Alles rund um Sicherheit, Materialversagen, falsche Aufbauten, schief gegangene Tricks.

lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » So 18. Jul 2010, 10:30

einige von euch haben bereits davon gehört: am samstag beim longline meeting in berlin hat sich mit einem linegrip ein unfall ereignet.

noch haben wir das material nicht zurück erhalten um es analysieren zu können, was wir jedoch vorweg dazu sagen müssen, ist, dass es bei einer bestimmten serie der linegrips probleme mit dem gummibelag bei sehr grosser hitze gibt. sämtliche kunden wurden bereits am 25.6. (manche schon am 15.6.) darüber informiert und angewiesen, den linegrip bei über 30°C nicht mit über 15kN zu belasten und diesen auch dann sicherheitshalber immer direkt zu hintersichern.

leider wurde diese sicherheitswarnung in berlin nicht beachtet! obwohl viele der beteiligten darüber informiert waren, wurde der linegrip zum spannen einer 220m longline bei einer hitze von über 35° im schatten an der prallen sonne auf weit über 15kN belastet. die last vor dem letzten zug am statikseil soll 16kN betragen haben. während dem folgenden spannvorgang, bei dem zehn (!!!) leute zogen, liess der linegrip dann das band durchrutschen, wobei es so stark beschädigt wurde, dass es riss! vermutlich war die spannung zum zeitpunkt des durchrutschens weit über 1,6t, denn beim ziehen zu zehnt an einem 15:1 flaschenzug, steigt die spannung im system innerhalb sekunden um mehrere hundert kilo an.

wir möchten an dieser stelle nochmals darauf hinweisen, dass der linegrip ein sehr sicheres und zuverlässiges gerät ist, das, wenn nicht überlastet und vorschriftsmässig eingesetzt, keinen anlass für sicherheitsbedenken gibt.

sobald die analyse der komponenten abgeschlossen ist, werden wir mit einer offiziellen stellungnahme auf unserer website details zu dem vorfall und dem effekt mit den gummibelägen veröffentlichen. bis es so weit ist, bitten wir nochmals jeden, bei verwendung des linegrip die sicherheitsanweisungen und vor allem die nutzlasten genau einzuhalten, danke.

gruss
andy
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon seflue » Mo 19. Jul 2010, 10:03

Als derjenige, der den Linegrip fast gegen den Kopf bekommen hat - wir hatten riesiges Glück, daß nichts schlimmeres passiert ist - möchte ich doch noch ein paar Zeilen dazu schreiben.

Was ist genau passiert: Aufgebaut werden sollte eine ca. 210m lange Longline. Gespannt wurde sie mit einem 18:1-Flaschenzug und dem Linegrip. Bei 16kN gab es aus meiner Sicht (ich stand am nächsten zur losen Rolle) hinter mir einen Knall, ich fiel nach vorn und im gleichen Moment schlug das Metallbündel aus Rolle und Linegrip im Rücken meines Vordermanns ein.
Der herbeigerufene Rettungswagen brachte ihn ins Krankenhaus. Er hat einige blutige Blessuren abbekommen und sich sicher auch eine ordentliche Prellung geholt. Es ist noch glimpflich abgegangen - ob er Folgeschäden davongetragen hat, ist nach meinem letzten Informationsstand noch nicht klar gewesen (Untersuchung der Niere stand noch aus).

Genaues Betrachten der zerstörten Line und des Linegrips lieferten zu Tage, das die Verbindung zwischen Gummi und Linegrip versagt hatte und die Leine einfach die Gummis aus dem Linegrip gezogen hatte (einen vollständig, den anderen zur Hälfte). In diesem Moment ist die Line dann auf den blanken Metallbacken ca. einen halben Meter durchgerutscht, bis sie durch Reibung und scharfe Kanten so zerstört war, daß sie gerissen ist (Line war auf einem halben Meter von der Rissstelle entfernt völlig aufgespleist).

Zur Sicherheitswarnung: das ist leider vorher nicht kommuniziert worden. Nicht vor dem Vorfall. Hinterher wurde dann gesagt, daß es wohl eine Warnung gegeben hätte - da war es zu spät. Aber auf der Slackpro-Webseite findet sich auch kein Wort dazu (jedenfalls hab ich nichts gefunden).

Dann zu der angesetzten Grenze: 16kN gegenüber 15kN sind nicht "weit darüber", sondern das ist arschknapp. 1kN Differenz ist bei Bruchtests locker im Bereich der Streuung. Der Linegrip hing nicht in der Sonne, sondern im Schatten - wären die Gummis in der prallen Sonne wohlmöglich schon bei 14 oder 15kN rausgeflogen? Die Temperaturunterschiede waren beträchtlich.

Was können wir aus dem Vorfall lernen?
Erstens: Wenn es Sicherheitsprobleme gibt, dann müssen diese öffentlich gemacht werden. Keiner von den Nichtlinegripbesitzern, die am Flaschenzug gezogen haben, wußte von dem Problem - ich weiß gar nicht, ob der Besitzer des Linegrips in diesem Moment überhaupt beim Spannen mit dabeiwar. Und jeder ging von der Produktbeschreibung aus, die er aus dem Netz kannte. Hier hat einerseits der Besitzer des Grips einen Fehler gemacht (daß er das Ding bei diesen Temperaturen überhaupt als Spannmaterial zur Verfügung stellte - ohne entsprechenden Kommentar) - andererseits hätte eine offensivere Kommunikation seitens des Herstellers hier sicher auch etwas gebracht - denn auch Linegripbesitzer, die nicht die "problematische" Version des Grips besaßen, waren über das Problem nicht in Kenntnis gesetzt worden.

Zweitens: Beim Spannen immer HINTER den Baum. IMMER! Ich habe selbst den Fehler gemacht, diese grundsätzliche Regel missachtet zu haben und man kann dazu nur sagen: man sollte sich nie durch hohe Dimensionierung des Materials (Leine hält angeblich 4t, mit Bruchlastreduktion noch mindestens 3) und die lässige Atmosphäre auf solchen Events in Sicherheit wiegen lassen. Alle Beteiligten dachten, bei 1,6t noch voll im grünen Bereich zu sein, jeder war von einem Riss in diesem Moment völlig überrascht.

Zur Konstruktion des Linegrip wäre noch zu sagen: In wieweit ist das Alterungsverhalten des Gummis und des Leims, mit dem die Gummis aufgebracht sind, untersucht? Wann läßt die Haltbarkeit deutlich nach? Mir kommt das derzeit ein bißchen wie Russisch-Roulette vor, da keiner genau weiß, wie sich das Material auf längere Sicht verhält.
Zuletzt geändert von seflue am Mo 19. Jul 2010, 11:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon ich » Mo 19. Jul 2010, 10:57

mich würde weiters interessieren ob das ganze (also der riss der line nach dem durchrutschen) auch passiert, wären die kanten abgerundet und nicht so scharf?
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon sobek » Mo 19. Jul 2010, 11:13

ich hat geschrieben:mich würde weiters interessieren ob das ganze (also der riss der line nach dem durchrutschen) auch passiert, wären die kanten abgerundet und nicht so scharf?


Da bin ich mir ziemlich sicher, bei dem Druck und dem Durchrutschen wäre es, denke ich, auf jeden Fall zu einer Beschädigung der Line gekommen.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » Di 20. Jul 2010, 07:56

seflue hat geschrieben:Zur Sicherheitswarnung: das ist leider vorher nicht kommuniziert worden. Nicht vor dem Vorfall. Hinterher wurde dann gesagt, daß es wohl eine Warnung gegeben hätte - da war es zu spät. Aber auf der Slackpro-Webseite findet sich auch kein Wort dazu (jedenfalls hab ich nichts gefunden).

ok, ist richtig, jetzt im nachhinein betrachtet wäre es gut gewesen, diese meldung auf der website zu veröffentlichen. da jedoch sehr sehr wenige linegrip-22 im umlauf sind (ca. 1/10 der linegrip-15) und wir zudem zu allen linegrip-22 besitzern persönlichen kontakt haben und das sicherheitsproblem auch persönlich kommunizierten, schien es absolut ausreichend zu sein.

offensichtlich werden aber auch solch äusserst wichtige details oftmals nicht weiter gegeben, wenn einer "sein" gerät in hände anderer übergibt... bestimmt nicht absichtlich, aber wahrscheinlich war christian grad woanders beschäftigt und wusste vielleicht gar nicht, dass man mit dem spannen der 200m+ line bereits anfängt... wie auch immer, wir sind erst heute zurück von der outdoor-messe und die meldung wird garantiert im laufe des tages auf der website stehen!

seflue hat geschrieben:Dann zu der angesetzten Grenze: 16kN gegenüber 15kN sind nicht "weit darüber", sondern das ist arschknapp. 1kN Differenz ist bei Bruchtests locker im Bereich der Streuung. Der Linegrip hing nicht in der Sonne, sondern im Schatten - wären die Gummis in der prallen Sonne wohlmöglich schon bei 14 oder 15kN rausgeflogen? Die Temperaturunterschiede waren beträchtlich.

klar, das ist streuung/toleranz. habe ich aber auch so geschrieben! "vermutlich war die spannung zum zeitpunkt des durchrutschens weit über 1,6t, denn beim ziehen zu zehnt an einem 15:1 flaschenzug, steigt die spannung im system innerhalb sekunden um mehrere hundert kilo an." es geht darum, dass wenn 10 leute los rennen, du locker innerhalb weniger sekunden mehrere hundert kilo spannungszuwachs in der line hast. kann also gut sein, dass es 18-19kn waren, als das passierte, meinst nicht? hinzu kommt die tatsache, dass die hintersicherung nicht so schnell nachgespannt werden kann, wie diese 10 leute die line spannen. es waren also wahrscheinlich 1m oder mehr slack zwischen linegrip und anker. das darf einfach ab 15kn auf keinen fall mehr passieren!

sorry, das wegen sonne/schatten wurde mir anders geschildert. wenns im schatten war, ok, dann wäre es wahrscheinlich bei ein paar grad kühler nicht passiert. aber auch bei 35° im schatten hätte nichts passieren dürfen. es wäre zu klären, ob der linegrip vielleicht vor dem aufbau in der sonne lag... der linegrip hat eine zulässige betriebstemperatur von -10° bis +40°C. die 40° sind an der prallen sonne schnell erreicht und eine masse von 1000g metall speichert die wärme leicht für ne viertel stunde oder mehr. darum empfehlen wir ja auch, den linegrip vorsorglich mit wasser zu kühlen, wenns sehr heiss ist. wenn er an der sonne verwendet werden muss, dann hilft es, ein helles handtuch oder tshirt darüber zu legen.

fakt ist und bleibt aber, dass die zulässige nutzlast überschritten wurde. um wieviel ist wohl leider nicht mehr zu rekonstruieren, aber es war garantiert viel mehr als nur 1kn!

wir können hier nur noch einmal darauf hinweisen, bei SÄMTLICHEN komponenten die nutzlasten einzuhalten, insbesondere, wenn es sich um "neue geräte" handelt, bei denen es noch keine langjährigen erfahrungen gibt, wie sie sich verhalten bei überlastung. dies gilt für jede art von neuem gerät, das fürs slacklinen unter extremen bedingungen verwendet wird!

der linegrip kann bei "normalen temperaturen" (bis 30°C) und einwandfreiem gummibelag mit über 35kn belastet werden, bevor der gummibelag auf dem band zu rutschen beginnt (+/- 10%, je nach zustand und material der slackline). die bruchlast des geräts liegt bei über 45kn. die sicherheitsvorschriften für zurrmittel (2:1) werden also mehr als eingehalten. es liegt jedoch in der verantwortung des anwenders, die temperatur zu überwachen und die sauberheit des gummibelags und der line sicher zu stellen.

wir sind übrigens mit robert in kontakt und werden hier melden, wie die diagnosen der ärzte lauten.

wichtige technische neuerung bei der gummibeschichtung:
der in berlin verwendete linegrip wurde am 18.5. ausgeliefert und ist somit von der serie 01, bei der die gummibeläge noch geklebt wurden. seit 20.5.2010 wird die serie 02a der linegrips ausgeliefert. diese gummibeschichtung ist nun nicht mehr aufgeklebt, sondern direkt auf den aluklotz aufvulkanisiert (bei 240°C und 5t druck). dies gewährleistet eine 100° unlösbare verbindung zwischen gummi und alu, unabhängig der betriebstemperatur! es ist ab der serie 02a absolut unmöglich, den gummibelag vom aluklotz zu trennen!

die serie 02a wird jedoch nicht als 22kn version ausgeliefert, da die gummimischung bei über 30°C ab ca. 17kn zuglast auf dem band millimeterweise zu rutschen beginnt. dies ist nicht weiter schlimm, wenn der linegrip wie beschrieben am ankerpunkt hintersichert wird, denn das band bleibt dabei absolut unbeschädigt. wichtig ist nur, dass die hintersicherung stramm gehalten wird und nicht 2m an slack heraus gezogen werden!!! regelmässig das band zwischen linegrip und anker nachspannen (alle 40-50cm), dann kann nichts passieren!!! aber vor allem gilt: die nutzlast beachten! linegrip nicht überlasten!

wir arbeiten mit nachdruck an der serie 03. die klemmbacken sind ein schlüsselelement des linegrip und werden in den nächsten monaten kontinuierlich verbessert und überarbeitet. dies gilt auch für die linegrip mechanik. wir klären z.b. derzeit, wie die kanten innen, dort wo das band verläuft, zu vertretbaren kosten gerundet werden können.

an dieser stelle sei noch erwähnt, dass wir immer dankbar für verbesserungsvorschläge, optimierungsideen und sicherheitsbedenken sind.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon sobek » Di 20. Jul 2010, 10:11

slackPro hat geschrieben:wir klären z.b. derzeit, wie die kanten innen, dort wo das band verläuft, zu vertretbaren kosten gerundet werden können.

an dieser stelle sei noch erwähnt, dass wir immer dankbar für verbesserungsvorschläge, optimierungsideen und sicherheitsbedenken sind.


Erfüllt die Abschrägung des Gummis and den Kanten eigentlich einen bestimmten Zweck? Falls nicht, wären die Metallkanten durch Weglassen dieser Abschrägung zumindest schon mal ein wenig besser abgedeckt.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon seflue » Di 20. Jul 2010, 11:02

ok, ist richtig, jetzt im nachhinein betrachtet wäre es gut gewesen, diese meldung auf der website zu veröffentlichen. da jedoch sehr sehr wenige linegrip-22 im umlauf sind (ca. 1/10 der linegrip-15) und wir zudem zu allen linegrip-22 besitzern persönlichen kontakt haben und das sicherheitsproblem auch persönlich kommunizierten, schien es absolut ausreichend zu sein.


Bist du dir dessen absolut sicher? Daß du alle Besitzer der vor dem 20.5. ausgelieferten Version informiert hast? Ich kenne einen Käufer des Grips, der keine Warnung von dir erhalten hat, Rechnungsdatum ist vor dem 20.5.2010 - ich gehe also davon aus, daß es die alte Version ist. Details können wir aber gern via Email klären.

klar, das ist streuung/toleranz. habe ich aber auch so geschrieben! "vermutlich war die spannung zum zeitpunkt des durchrutschens weit über 1,6t, denn beim ziehen zu zehnt an einem 15:1 flaschenzug, steigt die spannung im system innerhalb sekunden um mehrere hundert kilo an." es geht darum, dass wenn 10 leute los rennen, du locker innerhalb weniger sekunden mehrere hundert kilo spannungszuwachs in der line hast. kann also gut sein, dass es 18-19kn waren, als das passierte, meinst nicht? hinzu kommt die tatsache, dass die hintersicherung nicht so schnell nachgespannt werden kann, wie diese 10 leute die line spannen. es waren also wahrscheinlich 1m oder mehr slack zwischen linegrip und anker. das darf einfach ab 15kn auf keinen fall mehr passieren!


16kN war die Maximalkraft, die wärend des gesamten Spannvorgangs aufgetreten ist. Vor dem letzten Spannvorgang (bei dem es zum Riss kam) betrug die Kraft 15kN.

Wenn 10 Leute am Flaschenzug ziehen, darfst du dir das nicht so vorstellen, daß alle sich mit voller Wucht reinwerfen, sondern jeder einzelne mit relativ geringer Kraft zieht und man gemeinsam kontinuierlich nach hinten läuft. Beschleunigt den Spannvorgang und schohnt die Kräfte des Einzelnen enorm. Höhere Spitzenlasten als beim Spannen allein oder zu zweit treten dabei nicht auf. Der harte Kraftanstieg zu Beginn jedes Spannvorgangs ist nur so hoch wie die Kraft, die gebraucht wird, um die Haftreibung der Rollen zu überwinden - und die ist immer gleich. Danach steigt die Kraft langsam und kontinuierlich abhängig von der Geschwindigkeit mit der die Leute nach hinten laufen und der Übersetzung des Flaschenzuges (in diesem Fall also mit einem 18tel der Geschwindigkeit). Der Riss trat nicht beim Beginn des letzten Spannvorgangs auf, sondern als das Seil schon lief. Die stärksten Reaktionskräfte treten im Übrigen an Potenzrolle und ID auf, bis zur losen Rolle ist das durch den Flaschenzug längst weggedämpft.

sorry, das wegen sonne/schatten wurde mir anders geschildert. wenns im schatten war, ok, dann wäre es wahrscheinlich bei ein paar grad kühler nicht passiert. aber auch bei 35° im schatten hätte nichts passieren dürfen. es wäre zu klären, ob der linegrip vielleicht vor dem aufbau in der sonne lag... der linegrip hat eine zulässige betriebstemperatur von -10° bis +40°C. die 40° sind an der prallen sonne schnell erreicht und eine masse von 1000g metall speichert die wärme leicht für ne viertel stunde oder mehr. darum empfehlen wir ja auch, den linegrip vorsorglich mit wasser zu kühlen, wenns sehr heiss ist. wenn er an der sonne verwendet werden muss, dann hilft es, ein helles handtuch oder tshirt darüber zu legen.


Der Grip lag definitiv im Schatten. Die gesamte Gruppe hatte sich mit sämtlichem Material auf die Südseite der Wiese verzogen, in den großflächigen Schatten sehr hoher Bäume, denn in der Sonne war es an diesem Tag nicht auszuhalten. Man war schon einige Meter auf der Longline unterwegs, bevor man aus diesem Schatten in die Sonne raustrat.

fakt ist und bleibt aber, dass die zulässige nutzlast überschritten wurde. um wieviel ist wohl leider nicht mehr zu rekonstruieren, aber es war garantiert viel mehr als nur 1kn!

Fakt ist und bleibt, was auf dem Messgerät stand und das waren 16kN Maximalkraft. Nach diesem Vorfall, wäre ich an deiner Stelle vorsichtig mit Garantien. Daß es so glimpflich ablief, war pures Glück. Es hätte genauso auch mit deutlich schwereren Verletzungen oder gar tödlich enden können.
Mir ging es nach dem Vorfall saumies. Robert hat den Grip abbekommen, weil ich ihn nicht abbekommen habe. Und wenn ich ihn abbekommen hätte, dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am Kopf - die möglichen Folgen kann sich jeder denken. Ich hatte riesiges Schwein! Stattdessen hat es Robert erwischt ... :(
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » Di 20. Jul 2010, 11:56

sobek hat geschrieben:Erfüllt die Abschrägung des Gummis and den Kanten eigentlich einen bestimmten Zweck? Falls nicht, wären die Metallkanten durch Weglassen dieser Abschrägung zumindest schon mal ein wenig besser abgedeckt.

ja, das tut sie. die abschrägung bewirkt, dass durch die scherkräfte nicht so viel gummimasse nach hinten heraus gequetscht wird. die line wird bei richtigem einsatz (ziehen an der grossen zugöse) niemals die alukante des klotzes berühren. das passiert höchstens wenn sich der gummi löst, aber dann ists sowieso zu spät.

ich sprach von den kanten der schwenkhebel, die das band manchmal auch berührt. die planen wir abzurunden, um die line noch mehr zu schonen.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » Di 20. Jul 2010, 13:09

seflue hat geschrieben:Bist du dir dessen absolut sicher? Daß du alle Besitzer der vor dem 20.5. ausgelieferten Version informiert hast? Ich kenne einen Käufer des Grips, der keine Warnung von dir erhalten hat, Rechnungsdatum ist vor dem 20.5.2010 - ich gehe also davon aus, daß es die alte Version ist. Details können wir aber gern via Email klären.

ich weiss wen du meinst, da ging einer nach dresden, aber da hab ich mich vorhin wahrscheinlich missverständlich ausgedrückt. die serie 01 hatte bislang nie probleme mit der temperatur. es war uns bislang nicht bekannt, dass dies bei serie 01 passieren kann. christian wurde trotzdem informiert, weil er ein serie 01b gerät erhalten hatte, bei dem die gleiche gummimischung als matte aufgeklebt wurde, die später bei serie 02a aufvulkanisiert wurde. unseres wissens, ohne temp. probleme, aber nur um sicher zu gehen, haben wir sein gerät in die liste der betroffenen geräte aufgenommen. lieber zu vorsichtig sein, als zu locker. das gerät nach dresden ging 4 tage vor christians raus, war also serie 01a.

seflue hat geschrieben:16kN war die Maximalkraft, die wärend des gesamten Spannvorgangs aufgetreten ist. Vor dem letzten Spannvorgang (bei dem es zum Riss kam) betrug die Kraft 15kN.

es wird wohl unmöglich sein, die fakten ganz genau und fehlerfrei zu rekonstruieren. mir wurde jedenfalls persönlich von zwei personen, die auch am flaschenzug zogen, berichtet, dass die waage VOR dem letzten anziehen 1,6t anzeigte.

seflue hat geschrieben:...Der Riss trat nicht beim Beginn des letzten Spannvorgangs auf, sondern als das Seil schon lief. Die stärksten Reaktionskräfte treten im Übrigen an Potenzrolle und ID auf, bis zur losen Rolle ist das durch den Flaschenzug längst weggedämpft.

ja, ist klar. auch das hatte ich so nicht gesagt. hatte nie die anlaufspitze angesprochen. mit dem hinweis auf mehrere personen meinte ich nicht, dass die sich voll rein schmeissen, aber es marschieren alle los und laufen stetig weiter, mehr oder weniger schnell. da hast du eben nach wenigen sekunden nen halben meter dehnung raus gezogen und mehrere 100kilo mehr spannung - ist ja auch der vorteil dieser technik.

seflue hat geschrieben:Mir ging es nach dem Vorfall saumies. Robert hat den Grip abbekommen, weil ich ihn nicht abbekommen habe. Und wenn ich ihn abbekommen hätte, dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am Kopf - die möglichen Folgen kann sich jeder denken. Ich hatte riesiges Schwein! Stattdessen hat es Robert erwischt ... :(

zunächst: robert hat heute berichtet, dass es ihm wieder halbwegs gut geht. keine inneren verletzungen, "nur" ne heftige prellung. er war auch am wochenende wieder auf der line... gott sei dank! ist wirklich glimpflich verlaufen.
sebastian: du bist doch ein sehr erfahrener longliner, hast schon zahllose longlines gespannt, warum um alles in der welt stehst du dann beim ziehen dort, wo sich niemals ein mensch aufhalten darf - innen am seil und dann auch noch viel zu weit vorne? lt. meinen infos befanden sich mindestens die ersten 3 oder 4 leute in der gefahrenzone! wie du selbst ja bereits sagtest: "Beim Spannen immer HINTER den Baum. IMMER!". das ist beim flaschenzug soooo wichtig, da der einfach ne enorme dehnung hat und wie ein katapult, alles was vorne dran hängt zum "zieher" schleudert, wenns band reisst. beim kettenzug ists ausreichend, wenn man "beim" baum steht, der schleudert nichts in richtung "spanner".


jedem longliner sollte bewusst sein: es kann immer etwas unerwartetes passieren. selbst fast neue bänder sind schon aus heiterem himmel viele meter vom anker entfernt weit unter der bruchlast einfach gerissen, darum gilt primär: abstand halten und vor allem gefahrenzonen räumen! würde dies beherzigt, sollte auch keiner verletzt werden wenn mal was bricht.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon Matt83 » Do 22. Jul 2010, 06:48

Hey Andy,

leider wurde ich auch nicht über diesen Vorfall informiert. Habe auch den LineGrip Serie1 (Bestellung versandt am 15.05.10).
"Spiel" zwar noch in ner anderen Liga (85m) aber trotzdem musst du ALLE Besitzer des LineGrip1 informieren!!!

Gruß
Matthias
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