lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Alles rund um Sicherheit, Materialversagen, falsche Aufbauten, schief gegangene Tricks.

Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » Do 22. Jul 2010, 10:42

ja, das werden wir auch tun, sobald die versuchsreihen abgeschlossen sind.
nach derzeitigem stand bestehen unter 17kn keine bedenken, auch bei 40°C nicht und somit fällt der linegrip-15 nicht in die betroffenen kategorie.
in unserer werkseigenen 50kn zerreissmaschine können wir temperaturen/klima bis 50°C simulieren und mit einem infrarot-oberflächentemperaturmessgerät punktgenau prüfen.
um ein zuverlässiges, aussagekräftiges ergebnis zu erzielen bedarf es jedoch mehreren umfangreichen versuchsreihen und das dauert eben seine zeit.

aber ich denke wir werden heute sicherheitshalber vorab an alle linegrip serie 01a+b besitzer eine info raus schicken, nur um auf das problem hinzuweisen.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon robinrobb » Fr 23. Jul 2010, 12:43

Hallo allerseits,

möchte gerne mitteilen, dass es meinem Rücken schon viel besser geht. Weiterhin, dass ich mich über diese Diskussion sehr freue. Zeigt sie doch, dass wir uns verantwortlich fühlen und auch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das hat letztens nicht so gut geklappt, wird es in Zukunft aber.
Vielleicht ist es so, dass JEDE(R) ein bissl was falsch gemacht hat, und so müssen wir uns vielleicht zuerst selbst verzeihen.
Wichtig finde ich dann, ins Detail zu gehen ohne Vorwürfe. Ich wünsche mir eine anteilnehmende Sachlichkeit, mit dem Ziel, besser/professioneller zu werden und zueinander zu finden. Slacklinen verbindet uns ja auch als Lebensgefühl ;)
Soweit vorab.
Vieles der Besonderheiten sind ja bereits bekannt. Vielleicht sollte das aber einmal zusammengefasst und niedergeschrieben werden? Wegen 'einer Struktur', um auf ein Informationsniveau zu kommen und um sich gut abzustimmen ...

Aus meiner Sicht waren wir ja an besagten Tag schon etwas unkoordiniert (diese Hitze und: viele Köche verderben ...). Vielleicht ist es gut, wenn eine(r) bei so einer größeren Aktion den Koordinator/Chef 'machen' kann und den Job übernimmt, das 'imaginäre Pflichtenheft' für den Aufabu abzuarbeitet. Und z.B. jemanden die 150 Meter über die Wiese zu dem Sonnenbadenden schickt, neben dem sich dann die gerissenen Line aufgerollt hat. Okay, das war einige Meter neben dem Mann, aber da lag halt wirklich einer ...

Zum Inhalt:
Ich denke heute, dass die Line mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit beim Spannen gerissen wäre und bin froh, dass es bereits beim zweiten Spannvorgang geschah und nicht erst später bei dem anvisierten Ziel von 20kN Vorspannkraft.
Vermieden werden hätte das wohl können
- durch ein Arbeiten mit dem eigenen Material/Equipment,
- bessere Kommunikation,
- dann durch eine andere Kombination aus Seil/Spannmittel (um die Faktoren Produktionsversion lineGrip, Arbeitstemperatur, Vorspannkraft zu berücksichtigen),
- durch ein langsameres Ziehen (wir sind zu schnell 'kontinuierlich nach hinten' gelaufen),
- durch ein geradlinigeres Ziehen (wir waren etwas schräg),
- durch Interaktion mit jemanden der nicht zieht und auf das ganze von außen guckt.

Soweit vorerst.
Abschließend noch ein großes Dankeschön an alle, deren Line/Material ich benutzen darf und durfte, diese Tage wieder zB am Wasser oder die Unmengen an Lines im Park! Bis balde,

Robert
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » Sa 24. Jul 2010, 08:49

über diesen link könnt ihr die aktuellen sicherheitswarnungen nochmal im detail nachlesen und über weitere
analyseergebnisse, erkenntnisse und ankündigungen auf dem laufenden bleiben: http://www.linegrip.de/warnung

wir versuchen diese seite tagesaktuell zu halten.

gruss
andy
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon Dr_Slack » Sa 4. Sep 2010, 12:56

Hallo zusammen!

Habe neulich von diesem Vorfall gehört und jetzt hier mal nachgelesen. Zum Glück nochmal Schwein gehabt, darf man wohl sagen und erneut feststellen, dass wir bei unserem Sport nicht vorsichtig genug sein können. Achtung vor trügerischer Routine und Nachlässigkeiten jeglicher Art nach dem Motto: Es wird schon nichts passieren, bislang hat's ja auch immer geklappt.

Wie wäre es, wenn mal einer oder mehrere von den wirklich erfahrenen Longlinern eine Sicherheitscheckliste für den Aufbau von Longlines erstellen und sie hier und in den anderen Slackline-Foren zugänglich machen würde, damit sich ein möglichst hoher Standard einstellt, der zum Allgemeingut wird? Oder gibt es das schon?

Möchte nebenbei noch kurz anmerken, dass Andys Link keineswegs auf die Seite mit der Warnung führt, sondern auf die Seite, auf der der Line-Grip beworben wird. Ich nehme an, das ist keine absichtliche Irreführung sondern eher ein Kommunikationsproblem.

Der Link, der momentan auf die Seite mit der Sicherheitswarnung führt lautet: http://www.slackpro.de/linegrip/linegrip_sicherheitswarnung.shtml

Beste Grüße und allen ein unfallfreies Slacklinen wünscht

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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » So 5. Sep 2010, 11:30

Dr_Slack hat geschrieben:Möchte nebenbei noch kurz anmerken, dass Andys Link keineswegs auf die Seite mit der Warnung führt, sondern auf die Seite, auf der der Line-Grip beworben wird. Ich nehme an, das ist keine absichtliche Irreführung sondern eher ein Kommunikationsproblem.

auweh, danke für den hinweis.
die struktur der website wurde kürzlich überarbeitet (wird nun auf englisch übersetzt), darum hat die verknüpfung nicht mehr funktioniert.
nun gehts wieder :)
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon Der_Ho » Do 21. Apr 2011, 11:28

Ich hab meine Linegrip Sicherheitsmeldung am 23.07.2010 erhalten und finde den Umgang mit den oben erwähnten Problemen sehr professionell.

Kleiner Ausschnitt aus dem Ende der Meldung:

""
weitere details und aktuelle ergebnisse findest du unter:
http://www.slackpro.de/linegrip/linegri ... dung.shtml

>>>>>>>>>>>>> bitte um kurze rückmeldung per email, dass du die obige
>>>>>>>>>>>>> sicherheitsmeldung erhalten und gelesen hast und an
>>>>>>>>>>>>> betreffende personen weiterleiten wirst, danke!
""

Man sollte bei allem auch nicht vergessen, dass es sich beim LineGrip um ein Bauteil handelt, das nie einen großen Absatz erzielen wird.
Es ist für mich ein tolles Stück Technik und ich hätte nicht den Mut, mich an ein solch sicherheitskritisches Bauteil mit so einem kleinen Absatzmarkt zu wagen. Natürlich heisst das nicht, dass man deshalb an der Qualität sparen darf, aber es zeigt vielleicht, wieviel anteilig investiert werden musste, um gewisse Schwächen im System auszumerzen.

Abgesehen davon bin ich selbst Ingenieur und arbeite gern und viel mit beweglichen Teilen, Hebeln, Lenkern und Übersetzungen. Bis heute habe ich keine gute Alternative zum LineGrip gefunden. Ich werde aber weiter forschen und suchen.
Andi, ich drücke Dir fest die Daumen, dass dieses Projekt eines Tages schwarze Zahlen liefert. Ich jedenfalls habe nach all unseren Treffen nach wie vor den Eindruck, dass bei Dir vor allem Anderen die Qualität zählt.

Chapeau!
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon Walter Siebert » Do 14. Jun 2012, 23:54

Mit hohem Interesse verfolge ich die sachlich ind kollegial geführten Unfallanalysen in diesem Forum (ein Stil, von dem andere Foren nur träumen können).
Ich habe eine Frage zu
"die nutzlast beachten!"

Gibt es für Slacklines einen Sicherheitsfaktor, wie z.B. bei Seilgärten?
Beste Grüße
Walter
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon sobek » Fr 15. Jun 2012, 09:21

Walter Siebert hat geschrieben:Gibt es für Slacklines einen Sicherheitsfaktor, wie z.B. bei Seilgärten?


Den, den sich der Besitzer auferlegt. Wenn das Ding öffentlich zugänglich sein soll, tut man natürlich gut daran, sich an die Vorgaben von den Seilgärten zu halten (und zusätzlich die schnelle Alterung des Materials zu berücksichtigen, falls es sich um eine Fixinstallation handelt). Es ist wie beim Klettern, niemand schreibt dir vor, was du zu tun oder zu lassen hast, höchstens du fliegst runter und verletzt dabei jmd. anders. Bei longlines hat es sich als vernünftig herauskristallisiert, zumindest einen Faktor von 3 zur Bruchlast einzuhalten, da eine Unterschreitung in der Vergangenheit schon zu einigen recht unguten Situationen geführt hat.

Offizielle Normen sucht man aber soviel ich weiß vergeblich.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » Fr 15. Jun 2012, 09:42

im Feb. 2012 wurde die DIN 79400 (Slacklinesysteme) in kraft gesetzt.
diese befasst sich mit den anforderungen an die stabilität von slacklines und an deren befestigungen.

im grossen und ganzen betrifft das aber hauptsächlich "standard"-lines, tricklines, schul- und therapielines... im bezug auf longlines ist dort nix dediziertes erwähnt, geschweige denn highlines.
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Re: lineGrip Vorfall in Berlin (10.7.2010)

Beitragvon slackPro » Fr 15. Jun 2012, 09:50

hier die definition aus der DIN 79400:
"Diese Norm gilt für Slacklinesysteme, die in Absprunghöhe angebracht sind. Sie legt Begriffe,
sicherheitstechnische Anforderungen an das Material und alle verwendeten Komponenten inklusive
der Befestigung sowie die zulässige Belastung, die Montage, die Prüfverfahren, die Kennzeichnung
und die Gebrauchsanweisung fest.
Die Norm gilt nicht für Slacklinesysteme, die Teil eines Sicherungssystems gegen Absturz sind"

weiters heisst es darin:
"Die Bruchkraft des Slacklinesystems muss mindestens das Sechsfache der Nennlast betragen."

und das ist evtl. auch noch interessant für longlines:
"- Der Baum muss gesund sein und in Anschlaghöhe mindestens 100 cm Umfang aufweisen.
- Der Druck auf die Rinde muss so verteilt werden, dass bei 100 cm Umfang die
Auflagenbreite des Anschlagmittels oder Slacklinesystems mindestens 10 cm beträgt. Ab
einem Umfang von 200 cm reicht eine Auflagenbreite von mindestens 5 cm aus."

letzteres wird leider, leider von den allerwenigsten systemen, insbesondere bei weitem nicht von den allseits bekannten rundschlingen erreicht...

und was den 6:1 sicherheitsfaktor anbelangt, dürfte das wohl für longlines udgl. eher unrealistisch sein. es geht hier um eine norm für "öffentlich zugängliche und ggf. auch gewerblich angebrachte/angewendete sportgeräte". wenn eine longline nur "für sich selbst oder seine freunde" aufgabeut wird, ist man ja tatsächlich an keine norm gebunden. wichtig ist nur, dass man nicht grob fahrlässig oder gar vorsätzlich handelt und dadurch menschen (oder andere lebewesen, bzw. fremdes eigentum) zu schaden kommen.

es gilt also: gesunder menschenverstand und der oben erwähnte 3:1 sicherheitsfaktor sind die besten voraussetzungen für sichere longlines. gesunder menschenverstand beinhaltet natürlich auch, dass man sich nicht selbst überschätzen und vor allem bei unwissenheit (fehlendes know-how) oder unsicherheit (fehlende routine) von einem solchen aufbau abstand nehmen soll!
Zuletzt geändert von slackPro am Fr 15. Jun 2012, 10:05, insgesamt 1-mal geändert.
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