Bounce Periode

Spanntechnik, Begehungen und Equipment

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Bounce Periode

Beitragvon Sirius » Fr 2. Dez 2011, 21:32

Hallo,

da mir heute etwas langweilig war, habe ich mal versucht die Periode der Auf- und Abbewegung beim Bouncen zu berechnen. Ich muss das alles nochmal nachprüfen, dann werde ich auch ein paar mehr Details schreiben. Ich habe aber trotzdem schonmal einen Plot mit den Ergebnissen angehängt (ich habe ein paar Näherungen gemacht, das hat aber kaum Einfluss auf der Ergebnis).

Können die Zahlen ungefähr stimmen?
Interessiert das überhaupt jemanden, oder bin ich wieder einmal der Einzige?

Gruß,
Simon

period.pdf
Bounce Periode bzgl. Line Länge L und Vorspannung F_0.
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Sirius
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Re: Bounce Periode

Beitragvon sobek » Sa 3. Dez 2011, 03:05

Bei dem Diagramm steht 7% Dehnung pro 10 kN, heißt das, du bist von einem linearen Kraft-Dehnungszusammenhang ausgegangen?
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Re: Bounce Periode

Beitragvon Sirius » Sa 3. Dez 2011, 14:23

sobek hat geschrieben:Bei dem Diagramm steht 7% Dehnung pro 10 kN, heißt das, du bist von einem linearen Kraft-Dehnungszusammenhang ausgegangen?


Die Antwort hat zwei Teile:

1. Durchhang: Ja, ich gehe von linearer Dehnung aus. Allerdings ist wie allgemein bekannt die Längenänderung der Line zwischen "ohne Slacker" und "ohne Slacker" sehr gering, d.h., dieser Term trägt nur sehr wenig bei.
Besser ausgedrückt: Ich gehe davon aus, dass die Änderung der Dehnung bei Änderung der Kraft (im Bereich der Vorspannung) ungefähr linear ist und 7% entspricht . Eine Aussage über den gesamten Dehnungsbereich (den der durch den Spannvorgang abgedeckt ist) ist nicht nötig.

2. Bounce Periode: Ist bestimmt durch eine Differentialgleichung mit einem Term von der Vorspannung und einem von der Längenänderung (hier ist wirklich nur die Dehnungsänderung nahe der Vorspannung wichtig) der Line beim Bouncen. Der zweite Term ist viel kleiner als der erste. Wenn man den 2. Term weglässt lässt sich die Gleichung exakt lösen und man bekommt eine harmonische Schwingung (ein Sinus). Mit 2. Term kann man die Gleichung numerisch lösen. Der Term führt dazu, dass die Periode minimal kleiner wird, aber der Effekt ist so klein, dass er praktisch nicht auffallen kann, im Diagramm habe ich ihn deshalb weggelassen.
Kurz gesagt: Für die Periode ist das Kraft-Dehnungs Verhalten egal, nur die Vorspannung zählt.

In Zahlen ausgedrückt:

Code: Alles auswählen
T = pi * sqrt(L*m/F_0)

wobei
T = Periode
L = Länge der Line
m = Masse des Slackers
F_0 = Vorspannung


Anmerkung zu meiner Motivation: Ich wollte wissen mit welcher Line ich möglichst langsam oder schnell Bouncen kann. Inutitiv hätte ich gedacht große Dehnung = langsames Bouncen. Aber die Formel wiederspricht dem. Die Details der Line scheinen fast völlig unwichtig zu sein (bei gleicher Vorspannung).

Gruß,
Simon
Zuletzt geändert von Sirius am Sa 3. Dez 2011, 17:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bounce Periode

Beitragvon seflue » Sa 3. Dez 2011, 16:00

Naja, irgendwie ist es auch logisch, daß es unabhängig von der Dehnung ist. Ich hab mich zwar noch nicht theoretisch mit Schwingungsmechanik auseinandergesetzt, aber meine Erfahrung aus der Praxis sind folgende: Maßgeblich für die Dauer einer Schwingungsperiode ist die Länge und die Vorspannung. Bei letzterem hat man in der Praxis aber nicht soviel Spielraum. Ist die Vorspannung niedriger, dauert ein Bounce zwar länger, damit er aber wirklich Spaß macht, braucht es auch eine gewisse Amplitude. Und die kann man nur ausbouncen, wenn man genug Abstand zum Boden hat. Eine höher Vorspannung sorgt bei gleicher Länge auch für eine größere Stabilität, das Bouncen ist also einfacher. Hier kommt jetzt aber die Dehnung ins Spiel. Hohe Dehnung bedeutet auch eine größere Amplitude bei gleicher Vorspannung und damit mehr Spaß - das deckt sich auch mit meiner Praxiserfahrung. Threaded Tubular oder Type 18 aus Polyamid ist zum Bouncen viel besser als Polyesterflachband. Allerdings spielt das ab einer gewissen Länge nicht mehr die Rolle, weil dann jedes Band genug Dehnung für ordentliche Amplituden mitbringt.
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Re: Bounce Periode

Beitragvon Sirius » Sa 3. Dez 2011, 16:44

seflue hat geschrieben:Hohe Dehnung bedeutet auch eine größere Amplitude bei gleicher Vorspannung und damit mehr Spaß - das deckt sich auch mit meiner Praxiserfahrung. Threaded Tubular oder Type 18 aus Polyamid ist zum Bouncen viel besser als Polyesterflachband. Allerdings spielt das ab einer gewissen Länge nicht mehr die Rolle, weil dann jedes Band genug Dehnung für ordentliche Amplituden mitbringt.


Das ist der Punkt der mich interessiert, kannst Du da mal näheres darüber sagen?

Ich habe z.B. das Type 18 Werbevideo gesehen, mit gut 2 m Bounce Höhe. Natürlich will ich das jetzt auch :)
Was wäre hier "lang genug"? Würde man das auch mit einem "normalen" Band (z.B. die genannten 7% bei 10 kN) hinbekommen? Ich habe im Moment 50 m Verve und bekomme vielleicht einen Meter Höhe, aber angenommen ich hätte jetzt 100 m?
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Re: Bounce Periode

Beitragvon seflue » Sa 3. Dez 2011, 17:04

Sirius hat geschrieben:
seflue hat geschrieben:Hohe Dehnung bedeutet auch eine größere Amplitude bei gleicher Vorspannung und damit mehr Spaß - das deckt sich auch mit meiner Praxiserfahrung. Threaded Tubular oder Type 18 aus Polyamid ist zum Bouncen viel besser als Polyesterflachband. Allerdings spielt das ab einer gewissen Länge nicht mehr die Rolle, weil dann jedes Band genug Dehnung für ordentliche Amplituden mitbringt.


Das ist der Punkt der mich interessiert, kannst Du da mal näheres darüber sagen?

Ich habe z.B. das Type 18 Werbevideo gesehen, mit gut 2 m Bounce Höhe. Natürlich will ich das jetzt auch :)
Was wäre hier "lang genug"? Würde man das auch mit einem "normalen" Band (z.B. die genannten 7% bei 10 kN) hinbekommen? Ich habe im Moment 50 m Verve und bekomme vielleicht einen Meter Höhe, aber angenommen ich hätte jetzt 100 m?


Bei 50m kann Type 18 seine Qualitäten noch sehr gut ausspielen. Wobei mir 2m Bouncehöhe auf 50m übertrieben scheinen, dafür musst du größere Längen spannen. Durch die hohe Dehnung steigt dann aber auch der Aufwand enorm, wegen des langen Spannweges. Musst dir also überlegen, ob Aufwand und Nutzen es dir wert sind. Auch auf 100m Verve/White Magic kann man schon ordentlich bouncen - wenn man es kann.
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Re: Bounce Periode

Beitragvon Sirius » Sa 3. Dez 2011, 17:18

seflue hat geschrieben:Bei 50m kann Type 18 seine Qualitäten noch sehr gut ausspielen. Wobei mir 2m Bouncehöhe auf 50m übertrieben scheinen, dafür musst du größere Längen spannen.

D.h. 100 m Type 18 ist Overkill, da tut es ein anderes Band genauso?
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Re: Bounce Periode

Beitragvon lebast » Sa 3. Dez 2011, 20:28

hola,
bin im moment viel am bouncen und surfen auf laengeres lines . Und wuerde schon unterstreichen das je laenger die Line ist desto weniger spielt die konstruktion des bandes ein rolle, doch aus reiner erfahrung kann ich sagen, das man sehr wohl bei 100+ lines noch klare unterschiede im bounce verhalten verschiedener Lines festellen kann. Hier zu nehme ich den Vergleich von 130m White Magic und 130m Type18 welches ich bei mit identischen durchhang und vorspannung aufgebaut habe und klar lassen sich beide lines super schoen bouncen und surfen, doch type 18 hat trotzdem noch einen warnehmbaren "besseren" bounce.

Und schon mit kurzen 50+ bänder kann man sehr hohe bounces erreichen :) einfach mal ein bisschen hoeher die Fixpunkte haengen und nicht ganz soll doll anknallen, dann machts eh mehr spass.
kann man ganz schoen in meinem video sehn...in dem die line auch nur 60m hat aber gute 3m hoehe in der Mitte.

http://vimeo.com/32904681
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Re: Bounce Periode

Beitragvon seflue » So 4. Dez 2011, 14:32

@Basti: Keine Frage, natürlich merkt man den Unterschied auch noch bei längeren Lines und natürlich sind die Polyamidbänder viel geiler zum Bouncen. Aber wie ich bereits schrieb nimmt der Spannaufwand mit steigender Länge exorbitant zu und man muss sich eben überlegen, ob es einem das wert ist. Bis 60-70m lohnt sich die Investition in Type 18 oder Tubular Nylon auf jeden Fall, wenn man richtig bouncen will. Bei 100m wäre mir glaub ich der Spannweg schon zu lang. Ich habs selbst noch nicht auf die Länge aufgebaut, aber nach meiner Erfahrung mit kürzeren Lines dürfte z.b. mein 50m Statikseil dann wahrscheinlich nicht mehr reichen, um die Line wirklich straff zu bekommen. Nichtsdestotrotz würd ich's natürlich gern mal ausprobieren. Notfalls auch einfach mit 'nem zweiten Flaschenzug auf der anderen Seite.
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Re: Bounce Periode

Beitragvon lebast » So 4. Dez 2011, 17:15

Jo leider ist der Aufwand wirklich sehr gross, aber dafuer wird man dann auch mit einem sehr geschweidigen bounce belohnt :) Genau 100m hab ich noch nicht mit type 18 aufgebaut, sondern nur 120m und 140m und da zieht man locker 20m raus...also ohne linegripe, 2 flaschenzuegen oder 75m+ Statikseil kann man 100m+ Type 18 aufbauen mit Durchhang unter 4m vergessen.
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